14. bis 17. Mai "Böhmen & Sachsen" Tour

Hallo, liebe Leser*innen,

Freitag, 15. Mai

Um 8 Uhr morgens startete unsere Reise von Karlovy Vary nach Dresden via Seiffen.  Wir fuhren vorbei am imposanten Hotel Imperial, das über Karlsbad thront. Diese Route zählt zu den schönsten Fahrten durch das westliche und mittlere Erzgebirge.

Wir folgten den alten Landstraßen, die böhmische Kurorte, dunkle Fichtenwälder, Hochflächen, Bergdörfer und die weiten Täler Sachsens miteinander verbinden. Schon wenige Kilometer hinter der Stadt veränderte sich die Landschaft spürbar: Die sanften Kurpark-Hügel wichen raueren Höhenzügen. Straßen windeten sich durch dichte Wälder aus Fichten und Tannen, immer wieder boten sich Ausblicke auf abgelegene Täler und kleine böhmische Dörfer mit bunten Häusern und Zwiebeltürmen.

Die Höhen des böhmischen Erzgebirges wirken oft still und fast nordisch. Besonders morgens liegt häufig Nebel zwischen den Waldkuppen, so war es auch bei unserer Fahrt.

Vorbei an alten Bergbaustädten, die daran erinnern, dass das Erzgebirge jahrhundertelang vom Silber-, Zinn- und Uranbergbau geprägt wurde.

Bei Olbernhau wechselten wir unmerklich nach Sachsen – was blieb, sind die Wälder; die Dörfer wirken nun typisch erzgebirgisch: Fachwerkhäuser, Holzschindeln, geschnitzte Balkone und die Schwibbögen, die vorwiegend der Weihnachtsdekoration dienen.

Wir durchfahren das eigentliche Herz des sächsischen Erzgebirges; durch enge Täler, entlang kleiner Flüsse. Vereinzelt sahen wir alte Mühlen, stillgelegte Bahnlinien und verstreute Gehöfte.

Seiffen – das Spielzeugdorf. Hoch oben auf einem Erzgebirgskamm (600 bis 700 Meter) wirkt wie ein Freilichtmuseum. Bekannt für die Spielzeugmacher und deren Schauwerkstätten. Geprägt wird das Ortsbild auch durch die Seiffener Kirche.

Nach einer tollen Fahrt von zwei Stunden durch Wälder und vorbei gelbblühenden Rapsfeldern fanden wir in Rechenberg-Bienenmühle eine einladende Bäckerei und einen großen Parkplatz.

Unsere Vierbeiner waren auch willkommen und so verköstigten wir uns gemütlich mit Cappuccino und Streuselkuchen und der sächsischen Spezialität „Eierschecke“, einem Blechkuchen aus Hefeteig mit einem Belag aus Quark und Sahne. Uns hat’s gemundet.

Wir setzten unsere Fahrt über Dippoldiswalde fort und schmunzelten über lustige Dorfnamen wie Oberhäslich und Elend. So langsam näherten wir uns dem Elbtal. Nach den langen Wald- und Bergpassagen öffnet sich plötzlich die weite Landschaft des Vorlandes.

Dann erscheint Dresden – unser Tagesziel. Auf dem Volksfestplatz parkten wir unsere Abarth. Entlang der Elbe machten wir uns mit großer Erwartung auf den Weg zur Altstadt, mit prächtigen Ausblicken auf die Dresdner Silhouette.

Vorbei am Sächsischen Landtag (modern) in die historische, malerische Altstadt. Fast planmäßig errichten wir das Restaurant „Pulverturm“ in unmittelbarer Nähe der Frauenkirche, wo wir reserviert hatten.

Es ist eines der schönsten Gewölberestaurants Dresdens. Als Teil der Dresdener Verteidigungsanlagen beherbergte es einst das Schießpulver. Heute wird in den alten Gemäuern königlich-sächsisch getafelt.

Wir wurden freundlich begrüßt und in einem der Gemächer war für uns festlich dekoriert.

Es gab typisch sächsische Speisen: Sauerbraten – Soljanka – Schweinshaxe – Ferkel im Brotlaib. An zahlreichen Biersorten vom Fass und hauseigenen Zechweinen mangelt es nicht.

Selbst für unsere Vierbeiner gab’s eine spezielle Hundekarte: Lammhäppchen, Hirsch, Huhn und Ente………

Sylvia & Flo hatten sich etwas ausgedacht; davon hatte weder ich noch alle anderen Kenntnis.

Als Opfer war ich auserkoren.

Zur Geschichte des Trichtertrinkens:

Kurfürst August der Starke war bekannt, gerne sächsischen Wein zu trinken. Damit hatte der Hofstaat aber ein Problem, weil sie jedes Mal dutzende Weingläser spülen mussten, bis sie eines Tages auf die Idee kamen, einen Trichter zu verwenden. Der Kurfürst lud Gäste ein; diese waren im Gegensatz zu August dem Starken gesittet und tranken nicht wie der Kurfürst aus der unteren Öffnung, sondern genossen den Wein aus der größeren – es war die Geburtsstunde der „Schluckspechte“.

Ich machte gerne das Spiel mit. Was der Mundschenk mit seinem sächsischen Dialekt erzählte, habe ich nur zur Hälfte verstanden. Der köstliche Inhalt des Trichters war allerdings nur aus der großen Öffnung zu genießen……..Die Gruppe und ich hatten unseren Spaß – eine gelungene Überraschung.

Gestärkt und gut gelaunt machten wir uns dann auf den Weg, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Mit Sylvia, im sächsischen Marienberg geboren, und Thorsten hatten wir die besten Fremdenführer.

Zwei Sätze zu Dresden und dann im Schnelldurchgang:

Dresden ist eine berühmte Barockstadt an der Elbe, auch Elbflorenz genannt. Die Stadt wurde im 17./18. Jahrhundert unter August dem Starken prachtvoll ausgebaut und nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder vollständig aufgebaut.

Frauenkirche

Der 91-Meter hohe Kuppelbau wurde im 18. Jahrhundert gebaut. Ein prachtvoller, barocker Sakralbau. 1945 zerstört, die Ruine wurde in Jahren 1993 bis 2005 wieder aufgebaut.

Zwinger

Eine prunkvolle barocke Anlage, mit Gärten und Pavillons, beherbergt heute Museen von Weltruf.

Semperoper

Eines der bekanntesten Opernhäuser Europas mit prachtvoller Architektur.

Residenzschloss

In der Dresdner Altstadt reiht sich ein architektonisches Highlight ans andere – mittendrin das Residenzschloss. Bei den Bombenangriffen 1945 war es fast vollständig ausgebrannt und ist erst seit einigen Jahren wiederaufgebaut. Unversehrt blieben bei den Angriffen ein Teil des Grünen Gewölbes und einige Kellerräume. Das Grüne Gewölbe beherbergt die Schatzkammer August des Starken. Die bei dem Einbruch im November 2019 entwendeten Juwelen sind im Laufe des Prozesses vor dem Dresdner Landgericht zurückerlangt und in den Wandvitrinen wieder zu sehen.

Brühlsche Terrasse

Eine beliebte Aussichtsterrasse, etwa 500 Meter entlang der Elbe (Balkon Europas). 1814 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Als Zugang wurde die große Freitreppe zum Schlossplatz gebaut, es entstand die Münzgasse.

Es gibt sicher noch mehr über das einzigartige und prachtvolle Dresden zu sehen und zu berichten – unsere Aufenthaltszeit war leider begrenzt. Und so machten wir uns auf den Weg in unsere Homebase „Villa Basileia“ in Karlsbad. Den Abend verbrachten wir gemütlich und genüsslich im „La Hosboda“ bei moderner böhmischer Küche und dem besten tschechischen Bier.

Samstag, 16. Mai.

Gegen 8:30 Start zur „Kaiserwald-Tour“.

Die Strecke von der Villa Basileia über Loket, Kladská und die Restaurace Auerhahn nach Mariánské Lázně gehört zu den schönsten Übergängen zwischen dem Egerland und dem böhmischen Bäderdreieck. Sie führt von vulkanisch geprägten Flusstälern hinauf in einsame Hochmoore und schließlich in die elegante Kurstadtlandschaft von Marienbad.

Loket erscheint fast märchenhaft

Die mittelalterliche Stadt liegt auf einem Felsrücken, den die Eger hufeisenförmig umschließt. Über allem thront die Burg Loket aus dem 12. Jahrhundert. Kopfsteinpflaster, Bürgerhäuser und kleine Plätze bewahren ein fast vollständig historisches Stadtbild. Die gesamte historische Altstadt steht unter Denkmalschutz. Wegen seines Stadtbildes wird Loket oft als Böhmisches Rothenburg gerühmt.

Goethe hielt sich mehrfach hier auf und beschrieb die Landschaft begeistert.

In Loket wurden mehrere Hollywood-Produktionen gedreht: „Casino Royale“ (2006) In diesem James-Bond-Film stellt die Burg Loket eine montenegrinische Burg dar und „The Illusionist“ (2006)

Einige Teilnehmer unserer Gruppe besichtigten die Burg: zu sehen sind Porzellanausstellungen, Sammlungen vom ehemaligen Stadtmuseum, Waffenmuseum bis in die ehemaligen Gefängnisräume, teils sehr schaurig.

Hinter Loket steigt die Straße in den dichten „Kaiserwald“. Die Gegend gehört zu den stillsten Mittelgebirgslandschaften Böhmens: endlose Fichten- und Mischwälder – Moore – kaum Dörfer, wenig Verkehr.

Wir genossen die engen Kurven, ständigen Wechsel zwischen Wald und offenen Moorfeldern, kurzen Beschleunigungsphasen, rauen Asphalt und die Landstraßenatmosphäre. Vielleicht trifft diese Beschreibung zu?

„Eine Mischung aus kleiner Alpenstraße, böhmischer Rallyeprüfung und nostalgischer Kurreise“.

Unser mittägliches Ziel im Stil einer Jagdhütte, so ist das Restaurace Auerhahn zu beschreiben.

Restaurace Auerhahn liegt mitten in einer Wald- und Moorlandschaft. Der Name „Auerhahn“ passt gut zur Umgebung, denn der Kaiserwald war traditionell Lebensraum des Auerwilds. Uns erwarteten böhmische Wildgerichte – Pilzgerichte – deftige Suppen und Heidelbeerkuchen in einfacher, rustikaler Atmosphäre. Ein kulinarischer Genuss.

Die Fahrt von der Restaurace Auerhahn nach Mariánské Lázně (Marienbad) wirkt wie der letzte Satz eines langen, eleganten Reisetages. Nach dem Auerhahn fährt man zunächst noch durch die stille Hochmoorlandschaft. Die Straße ist weich geschwungen und weniger technisch als zwischen Loket und Auerhahn. Langsam beginnt die Straße abzufallen – die Wälder öffnen sich: erste Villen, historische Häuser tauchen auf und: ein Parkhaus. Hier stellten wir unsere Abarth ab und begaben uns in kleinen Gruppen in das Zentrum – von rauer Natur hinein in kultivierte Eleganz. Marienbad inszeniert sich: breite Straßen, Jugendstilfassaden, Hotels aus der Kaiserzeit, die Menschen flanieren. Marienbad wirkt mondän. In den Parks hört man ständig das Plätschern kleiner Brunnen. Anders als Karlsbad, wo wenige heiße Quellen dominieren, besitzt Marienbad viele sehr unterschiedliche kalte Quellen – jede mit eigener mineralischer Zusammensetzung und therapeutischer Wirkung. Die Mineralquellen von Marienbad, die zu den berühmtesten Europas zählen, verströmen einen leichten mineralischen Geruch, der manchmal an Eisen oder Schwefel erinnert.

Im 19. und 20. Jahrhundert war Marienbad der große Treffpunkt Europas. Die Stadt zog Kaiser, Künstler, Komponisten und Schriftsteller an.: Johann Wolfgang von Goethe – Frédéric Chopin – Richard Wagner – Franz Kafka und viele mehr.

Der Kurort wirkt auch heute noch abgelegen, kultiviert und leicht entrückt. Wir fühlten uns wohl, flanierten durch den Kurpark mit seinen zahlreichen Verkaufsständen, darunter auch Oblatenverkäufer, und kehrten schließlich in ein modernes, aber nicht mondänes Café ein.

Zurück zum Parkhaus und aufsitzen für eine reizvolle Fahrt über Teplicka nach Březová u Karlových Varů zur Villa Basileia. Die abwechslungsreiche Strecke führte uns durch die bewaldeten Hügel des Kaiserwaldes und kleine böhmische Dörfer Richtung Karlsbad. Dank wenig Verkehr in den engen bis mittleren Kurven konntenwir die schnellen und sportlichen Abschnitte genießen. Wir erreichten die Villa Basileia sogar etwas früher als geplant, da ab 17 Uhr die gesamte Innenstadt wegen des Halbmarathons gesperrt war.  Bis zu unserem reservierten Abendessen im Restaurace Karl IV am Becherplatz hatten wir genügend Zeit zum Ausruhen oder Shoppen auf der Kurpromenade.

Zum guten Schluss ein paar Wort zu Karlsbad.

Die Stadt wurde im 14. Jahrhundert unter Kaiser Karl IV gegründet. Über die Jahre entwickelte sich Karlsbad zu einem Treffpunkt des europäischen Adels, von Künstlern und Intellektuellen. Berühmte Gäste waren u. a.: Johann Wolfgang von Goethe – Ludwig van Beethoven – Franz Kafka und viele mehr. Karlsbad besitzt über ein Dutzend heiße Quellen. Bekannt ist die Stadt für seine prachtvollen Kurkolonnaden und Hotels im Jugendstil. Und für das jährlich stattfindende Internationale Film Festival. Bekanntheit erlangte die Stadt auch, weil hier Szenen eines James-Bond Filmes gedreht wurden: „Casino Royal“ mit Daniel Craig als James Bond. Karlsbad diente dabei als Kulisse für die montenegrinische Kurstadt im Film. Genutzt wurde neben einigen Straßenzügen und Kolonnaden der Altstadt das berühmte „Grandhotel Pupp“ als Casino.

Das war unsere erste große Reise im Jahr 2026 – „Auf zu neuen Ufern“.

In vier Wochen steht die nächste große Tour auf dem Programm: Pässe fahren in der Schweiz und Italien.

Ich hoffe, dieser Text vermittelt die Freude und Begeisterung, die ich beim Schreiben empfunden habe. Egal, ob ihr dabei wart oder nicht, ich hoffe, ihr könnt unser erlebnisreiches Wochenende auch so genießen.

Ich danke allen Mitgliedern, die mit ihrer Teilnahme zu diesem gelungenen Wochenende beigetragen haben.

Danke, bleibt gesund und munter! Bis in 4 Wochen.

Text: Jochen

Fotos/Videos: Annemarie & Bea & Flo & Wolfgang & Jochen

Orga: Annemarie & Wolfgang & Jochen 

Ciao, bis bald.

Euer Jochen

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